Trauer-Arbeit……….

Einen Tag nach meinem letzten Eintrag hier bekam ich die Nachricht das es meiner Mutter sehr schlecht geht. Sie lebt seit einem Jahr ungefähr in einem Altersheim, wegen ihrer Demenz etc.. Vor zwei Wochen war ich das letzte mal dagewesen und da war schon stark erkennbar gewesen wie ihr Körper abgebaut hat.

Trotzdem habe ich natürlich vor zwei Tagen nicht damit gerechnet das es dann wohl so schnell gehen kann. Wer rechnet auch damit? Jedenfalls bin ich dann sofort nach der Arbeit dorthin gefahren, war bei ihr und habe auch mit dem Pfleger gesprochen. Ich muss dann leider erfahren das sie wohl im sterben liegt und diese Erkenntnis trifft mich sehr. Darf man das jetzt eigentlich so schreiben bezüglichst Omen und so?

Eigentlich kann ich damit gar nicht umgehen, es ist für mich wohl sehr schwer, allein schon aus psychischen Gründen bezüglich auch dem was in der Vergangenheit war. Es war schon sehr schwer als mein Vater starb. Wie geht man damit um? Gibt es ein richtig oder falsch? Ich weiß nicht, was richtig oder falsch ist. Meine Freundin meinte, ich müsste oder sollte auch an mich denken.

Jedenfalls saß ich dann eine Weile an ihrem Bett und irgendwie sieht sie ganz friedlich aus. Manchmal registrierte sie sogar noch das ich, bzw. dort da saßen und lächelte mich an, so als  wollte sie sagen, alles wird gut. Es macht mich so traurig. Immer wieder sehe ich ihr Gesicht vor mir. Ich meine, ich bin jetzt 51 Jahre alt, sollte ich damit nicht besser umgehen können?

Aber nein, ich kann es nicht. Und ich habe Angst davor. Meine Psyche spielt verrückt. Alles was in der Vergangenheit war, was mich psychisch verfolgt, dafür sorgte das ich lange auch Therapie machen muss, ist da. Aber es ist keine Klage, keine Schuld. Was das angeht habe ich wohl schon meinen Frieden gemacht. Doch immer wieder ist das Gefühl da, die Angst, obwohl sie vollkommen unlogisch ist, Schuld zu sein, nicht alleine klar zu kommen, es nicht verhindern zu können etc. Ich weiß das dies vollkommen unlogisch ist, es kommt auch allein von meinem inneren Seelenleben heraus.

Irgendwann bin ich dann gegangen, zumal sie immer wieder, ganz leise, sagte das sie nur schlafen könnte. Die Pfleger und auch meine Freundin meinten das ich wohl besser schon einmal Abschied nehmen sollte, weil es zwar eventuell noch ein paar Tage dauern könnte, vielleicht auch nur Stunden, aber ihr Anblick, verzeiht bitte diesen Ausdruck, wird nicht besser werden. Und es wäre besser sie lächeln und irgendwie zufrieden in Erinnerung im Kopf und im Herzen zu behalten. Sicherlich auch in der Kenntnis dasich was dies angeht sehr sensibel und gefühlvoll bin. Doch sollte oder kann ich jetzt wirklich sagen das ich jetzt nicht mehr hingehe im Fall der Fälle!? Was erwartet man, erwarte ich?

Ok, momentan bin ich ziemlich fertig, laufe bestimmt 100mal auf`s Klo und fühle mich gerade überhaupt nicht männlich. Schlafe schlecht und der Kreislauf geht rauf und runter. Trotzdem versuche ich stark zu sein. Immerhin ist da noch mein Sohn, der ebenfalls gar nicht weiß wie damit umgehen. Er hat auf Grund seines Autismus auch nicht so einen Kontakt zu meiner Mutter gehabt und oft lebt er sowieso in seiner eigenen Welt.Und ich selbst will es ja auch nicht wahr haben, verdränge es immer noch. Eben weil ich selber soviel Angst habe zusammen zubrechen, weil ich eigentlich nicht weiß wie ich richtig gefühlsmässig damit umgehen soll.

Und ebenfalls auch nicht damit was danach kommt. Die Beerdigung, mein Bruder ( darüber habe ich hier noch nichts erzählt……..hart, sehr hart ) und so weiter. Ich weiß das da einiges auf mich zu kommt……………

10 Kommentare zu „Trauer-Arbeit……….

  1. Es gibt weder richtig noch falsch. So wie du es für dich in Einklang bringst ist es richtig. Dem Tod ins Auge zu schauen ist für jeden schwierig und unsere Generation schweigt das Sterben lieber tot als darüber zu sprechen. Dabei gehört es zu unserem Lebenszyklus dazu. Es ist ein Werden und sterben. Sterben und Abschied nehmen ist schwer. Je näher wir dem Menschen stehen desto schwieriger ist es.
    Gegenüber deinem Sohn solltest du ehrlich sein und auch über deine Gefühle sprechen. Irgendwie wird es ihn erreichen. Mach dir darüber nicht zu viele Gedanken. Das, was für ihn wichtig ist, und er „verareiten“ kann, wird ihn auch erreichen. Da sei dir gewiss.
    Von Herzen wünsche ich dir die nötige Kraft alles geschehen lassen zu können. Verabschiede dich von deiner Mutter. Ob du ihr dabei real die Hand hältst oder du ihr einen Abschiedsbrief schreibst (den du ihr nicht einmal geben brauchst – das kann auch nur gedanklich sein!) – alles ist richtig.
    Fühl dich gedrückt.
    Herzlichst Ulrike

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  2. Ja, es gibt weder richtig noch falsch. Bleib bei Dir, auch wenn Du kotzen musst, weinen, Wut im Bauch verspürst, bleib bei Dir. Es ist das Privileg in unserem Alter, nicht mehr so tun zu müssen, als hätten wir alles im Griff …

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  3. Ich drück dich feste.
    Sowas is immer schwer, egal wie erwartbar, unabhängig vom Alter. Da darf man sich der Trauern und der Ohnmacht auch mal hingeben. Das is auch überhaupt nicht unabhängig.
    Ich wünsch dir viel Kraft und deiner Mutter, dass sie friedlich gehen kann.

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