Die Beerdigung…………

Inzwischen ist die Beerdigung vorbei. Ich weiß nicht ob ich mich besser fühlen kann oder nicht. Immer noch liegt es schwer auf meiner Psyche, meinen Gefühlen. Genau genommen war die Beerdigung eine mittlere Katastrophe. Denn worum es eigentlich gehen sollte, die Beerdigung meiner Mutter, der Abschied, ist dann fast im wahrsten Sinne des Wortes untergegangen. Dies macht mich sicher noch zusätzlich trauriger, allerdings auch etwas wütend. Warum dies so geschah liegt wohl an dem Rest meiner Familie. Also der Familie die dann noch kam, was wirklich nicht viele Personen waren.

 

Am Donnerstagmorgen war ich trotz der Beerdigung, trotz der Gefühle, eigentlich schon eher gefasst, sicherlich wegen der Trauer angespannt, aber eigentlich ging es. Sicherlich auch angespannt wegen des Telefonats mit meinem Bruder. Aber ich dachte auch schon das sich dies geben würde. So gingen wir, ich und M., dann bei sehr stürmischen Wetter los. Vielleicht präsentierte genau dieses Wetter eben auch das Klima was dann herrschen sollte, auf dem Friedhof und danach.

 

M. und ich waren dann auch die ersten die von den Angehörigen dort waren. Ich musste irgendwohin und als ich zurück kam, war wohl mein Bruder und seine Frau, sowie sein erwachsener Sohn mit ebenfalls seiner Bruder gekommen. Ich ahnte schon etwas an der Ausstrahlung an meinem Bruder das da einiges in der Luft hing. ( Später sollte M. Das auch bestätigen) Trotzdem ging ich ziemlich offen auf ihn zu und begrüßte ihn und die anderen. Wobei er mir kaum in die Augen schauen konnte. Irgendwie war eine unterschwellige Aggression spürbar. Und bis auf die Begrüßung sprach er auch kein Wort mit mir noch mit M. Dafür unterhielten wir uns kurz mit seiner Frau, ansonsten vielen keine Worte. Die ganze Aura kam sehr merkwürdig herüber.

Dann kam mein Cousin mit seiner Frau, wahrscheinlich die besten Freunde meines Bruders noch dazu. Fast schon gröhlend, weil sie wohl Schwierigkeiten gehabt hatten einen Parkplatz zu finden.

Überhaupt waren sie eher lustig und freudig drauf. Ich fragte mich ob das jetzt alles wahr sein konnte. Mein Bruder, der mehr als nur den Eindruck machte das er gleich wie eine Bombe hochgehen würde und eigentlich hier war, aber dabei auch irgendwie tat, gefühlsmässig, als würde ihn das alles gar nichts angehen. Der den Eindruck vermittelte das er nur da wäre, weil er musste, weil es sich vielleicht so gehörte.

Dann rief uns die Dame von dem Bestattungsunternehmen in die Trauerhalle, wo wir am Sarg standen und sie ein paar Worte über meine Mutter sagte. Ich spürte das ich mich selber gar nicht so wirklich fallen lassen konnte, trotzdem versuchte ich es wohl. Dann wurde der Sarg zu dem Grab gezogen und M. Und ich gingen als erstes hinter dem Sarg. Und da fing ich auch wohl leicht an zu weinen, aber wie gesagt, so richtig meine Gefühle konnte ich keinen freien Lauf lassen. Die anderen folgten uns und die Betonung liegt wirklich auf „folgten“ uns. Ich kann es fast gar nicht beschreiben dieses Szenario, dieses Gefühl. Fast rechnete ich schon das hinter mir ein spöttisches Lachen erklingen würde, auf Grund dessen das mir die Tränen kamen. Aber es sollte noch heftiger kommen.

 

Am Grab dann, der Sarg wurde hinab gelassen und die Rednerin sprach noch ein paar Worte. Inzwischen schien sie selber auch irgendwie etwas irriertiert, versprach sich ein paar Mal und suchte meinen Blickkontakt. Worauf ich ihr immer wieder wortlos zunickte einfach weiter zu machen. Und selbst am Grab standen wir nicht in einer Reihe, sondern ich und M. vorne und die anderen hinter uns in einer Reihe. Dann verteilte die Sprecherin die Blumen. Ich hatte es so geplant das jeder noch einen kleinen Strauß Blumen auf den Sarg wirft, anstatt Erde. Alle warteten, als ging ich als erstens nach vorne. Ich kann gar nicht beschreiben was man da so fühlt, irgendwie ist alles noch so unwirklich, so als wollte mein Geist, meine Psyche, noch nicht begreifen, das meine Mutter nicht mehr da ist. Auch jetzt noch nicht und die Ereignisse machen es auch nicht leichter.

Dann kam M., die sich einige Sekunden Zeit nahm um am Grab Abschied zu nehmen. Danach kam mein Bruder, seine Frau, der Sohn mit seiner Frau. Wie am Fließband, seltsam anzuschauen. ( Wie gesagt eine richtige Beschreibung fällt mir schwer ) Dann kam halt mein Cousin und seine Frau und ich glaubte nicht richtig zu sehen ( nicht nur mein eigener Eindruck ), der die Blumen dann in das Grab „reinwarf“, fast so als wäre er auf einem Karnevalswagen und würde Bonbons verteilen. Seine Frau ebenfalls. Ich war regelrecht sprachlos. Führt man sich so auf einer Beerdigung auf? Ich weiß es nicht, aber alles widersprach meinem Gefühl.

Die Rednerin sagte dann, wohl weil ihr die Situation jetzt selber schon unangenehm war, das sie uns jetzt alleine am Grab lassen würde damit wir nochmals in Ruhe Abschied nehmen könnten. So standen wir am Grab und das Unangenehme war regelrecht spürbar. Das Gefühl, das wir eigentlich nichts miteinander zu tun hatten. Bloß keiner wollte wohl als erstes gehen. Dann unterbrach M. das Schweigen indem sie die Frau von meinem Bruder ansprach. Was dieser dazu dann nutzte um…………ja, was dann kam war fast schon eine Drohung, M. meinte auch Nötigung, von seitens meines Bruders. Er meinte ob wir Samstag zuhause wären, also ob ich zuhause wäre, M. Wurde von ihm absichtlich oder unabsichtlich zuerst ignoriert. Und eigentlich war das gar keine Frage sondern ein Befehl.( Dabei muss man erwähnen das mein Bruder schon ein aggressiver und dominanter Mensch ist, der eigentlich keinen Widerspruch duldet ) Worauf ich dann aber sagte das ich dies nicht wüsste. ( Wobei das auch unehrlich war, denn eigentlich möchte ich keinen Kontakt, jetzt erst recht, mit meinem Bruder ) Das ignorierte er vollkommen. Du kannst uns ja anrufen………..ansonsten rufen wir an !! Es gibt viel zu bereden ! Darauf sagte ich dann zu ihm, immer noch sehr höflich, das es von meiner Seite nichts zu bereden gäbe. Wobei ich ihn dann natürlich fragte was er denn bereden möchte? Worauf er mir eigentlich keine wirklich Antwort gab, außer das es wohl viel von seiner Seite zu bereden gäbe. Und das in einem Tonfach, der mehr als agressiv war. M. Fragte mich nachher was das denn gewesen sei und ich hatte wohl den Eindruck das er mir eine rein hauen könnte. Ich dachte nur das kann jetzt ja wohl nicht wahr sein. Wir stehen hier am Grab meiner Mutter und eigentlich sollte es um andere Dinge gehen als seine aggressiven Verhaltensweisen.

Das beschäftigte mich und M. noch den ganzen Tag, diese unterschwellige Drohungen und all das, was mich zusätzlich traurig machte. Eben weil es eigentlich darum gehen sollte Abschied von meiner Mutter zu nehmen, all diese Traurigkeit, dieses Gefühl zu zulassen. Doch das war einfach nicht möglich…………..weil mein Bruder überlagerte alles, bis jetzt noch eigentlich, mit seiner Aggression, seinem Verhalten, wie eigentlich immer schon………..

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4 Kommentare zu „Die Beerdigung…………

  1. Schön ist das alles nicht! Es gibt Momente, da sollte man sich einfach zusammenreißen (dein Bruder!) und so einen Tag einfach vorbei ziehen lassen. Das hat auch etwas mit Respekt der Toten gegenüber zu tun. Wollte er die Nachlassenschaft mit dir gleich noch regeln? Das klingt fast so.
    Wenn du keinen Kontakt mehr zu deinem Bruder möchtest, so solltest du so ehrlich sein und es ihm bei nächster Gelegenheit auch so sagen. Dann hast du ein Ärgernis im Leben weniger.
    Alles Liebe und viel Kraft wünsche ich dir.

    Gefällt 2 Personen

    1. Nun, das sehe ich absolut genau so!!!! Und ganz ehrlich, ich weiß nicht was er will. Ich habe ihn ja schon mehrmals gefragt, allerdings keine Antwort erhalten. Aber es kann nicht um eine Nachlassenschaft gehen, da es überhaupt nichts zu holen gäbe. ( Von mir aus hätte er alles haben können, was da noch gewesen wäre. Hatte ihn ja auch gefragt ! )

      Nein, mein Bruder war wohl schon immer irgendwie so.

      Und dieses Ereignis auf der Beerdigung hat mir gezeigt, das sich nichts geändert hat. Das der Kontakt mit ihm mir auch persönlich gar nicht gut tut. Überhaupt seine aggressive, teilweise rücksichtloses, Verhalten geht für mich gar nicht. Ich selbst bin vom Wesen alleine schon ganz anders.

      Vielen Dank !

      Gefällt 1 Person

  2. Dein Bruder würde mir auch nicht gefallen, ganz im Ernst. Er ist erwachsen genug, um zu wissen, wie man sich auf einer Trauerfeier benimmt. Ganz ehrlich, auch wenn du ruhiger und sensibler bist, so bist du ihm Längen voraus!

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    1. Nun, meine Familie ist schon „besonders“ und ich selbst bin wohl aus der Art gefallen………irgendwie. So im Intellektuellen, im Gefühlvollen, vielleicht auch im Menschlichen Sinne.

      Und hey………danke dir. Du scheinst auch etwas Besonderes zu sein.
      LG
      Udo

      Gefällt 1 Person

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