Augen meines Vaters……..

Mein Vater war in Stalingrad. Inklusive langer Gefangenschaft. Eine Zeit, eine Erfahrung die mit Sicherheit mehr als prägt. Die vielleicht eine Lebenseinstellung erzeugt, die für diese damaligen Zustände lebensnotwendig waren. Wir können alle hoffen das wir so etwas niemals erleben müssen.

Doch mein Vater brachte diese Lebenseinstellung mit. Und er konnte auch mit keiner anderen mehr umgehen. Sie auch nicht tolerieren oder akzeptieren. Gefühle waren für ihn nicht nur Schwäche, sondern so vermutet ich ein Zeichen von Lebensunfähigkeit. Gefühle wie Ängste, Trauer, Wut, sogar Freude durften nicht sein, oder wie bereits gesagt wurden nicht toleriert, mussten unterdrückt werden.

So hat unser Vater uns erzogen, nicht in der Lage irgendwelche Gefühle zu zeigen, noch sie bei seinen Kindern zu akzeptieren. Im Gegenteil. Selbst seine Frau, meine Mutter, die jetzt vor ein paar Monaten gestorben ist, hat jahrelang darunter gelitten. Und ich sage, bzw. schreibe das nicht um meinen Vater anzuklagen oder so. Ich habe Verständnis dafür. Dafür, das er in seinem Erlebten diesen Weg, diese Einstellung gehen bzw. haben musste. Doch er hat nie wieder diesen Absprung geschafft von diesem Erlebten, von dieser Einstellung. Bis zu seinem Tod. Wie konnte er auch? Mal abgesehen von dem erlebten, war er ja auch eine ganz andere Generation. Sachen wie Psyche, Vergangenheitsbewältigung gab es nicht. Und selbst ich, der jahrelang Therapie mache, habe das, meine Erziehung, bzw. seine Prägung auf mich, nie so wirklich in Frage gestellt. Verstand oft nicht was mein Therapeut von mir wollte, wenn er sagte das ich meine Gefühle zulassen soll. Wie kann ich das? Wenn dies doch dann meinen „Untergang“ bedeutet? Wenn mich dies dann „Lebensunfähig“ macht!

So gesehen habe ich einen Teil seiner Prägung für mich übernommen. Aber wohl nicht so ganz, denn ansonsten hätte ich wohl keine Probleme damit. Denn obwohl ich sie nicht zeigen will, sie nicht akzeptieren, sind sie doch vorhanden. Und sie machen sich bemerkbar. In Form von Angstattacken, Panik, Unruhe etc. Was glaubt ihr wie oft ich in solchen Situationen auf das Klo rennen muss? All die Härte die mein Vater mir entgegen brachte, nicht nur mir übrigens, mache ich teilweise jetzt mit mir selber !! Ich akzeptiere einen Teil von mir nicht! Oder sagen wir lieber, ich kann es nicht. Immer noch sehe ich mich immer wieder mit den Augen meines Vaters. Höre, geistig, die Worte die verkünden das Gefühle Schwäche sind, Versagen nicht toleriert werden kann, und das alle Menschen einen dafür verachten. Und ich glaube, obwohl mein Vater mich, bzw. uns geliebt hat, das ein Teil von ihm uns auch immer verachtet hat. Und Widerspruch hat es nie gegeben. Erst spät und da wurde es wirklich heftig. Sehr heftig.

Doch was bedeutet dass jetzt für mich? Die Vergangenheit kann ich nicht ändern. Ich weiß inzwischen schon das Gefühle einen ganz anderen Stellenwert haben. Außerdem kann ich bei anderen eben diese Gefühle absolut tolerieren, ja finde es sogar bewundernswert. Und laut meiner Frau bringe ich ihr manchmal sogar ein wenig zu viel Gefühl herüber, wobei sie aber manchmal meint das dies mehr vom Kopf gesteuert sei !? Nein,meistens ist eher so, das ich nur mit mir selber so umgehe, nur mich selbst mit diesen Augen, diesen Erwartungen meines Vaters, betrachte. Vielmehr sollte ich genau das Gegenteil tun, aber das ist eine Mauer, eine Hürde. Meine nicht gelebten Gefühle stauen sich daran immer mehr……………

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6 Kommentare zu „Augen meines Vaters……..

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