Versuche………….?

Nun seit meinem letzten Eintrag über die Akzeptanz ist wieder vieles geschehen. Meine Versuche, mein Leben im Griff zu bekommen, welches absolut bedeutet auch die eigene Akzeptanz zu finden, scheint vom Schicksal torpetiert zu werden. Oder bin ich es selber?

Doch um zu verstehen, sollte ich erstmal aufführen wie es weiter ging, oder geht. Der Psychostress schien sich zu beruhigen oder auch nicht. Ihr seht ich selber bin mir da nicht mal so sicher. Eigentlich erst als ich die Erkenntnis bekam das ich mehr auf mich, meine Psyche und ebenso auf meinen Körper hören sollte. Weil genau dies etwas ist was ich nicht tue oder tat. Aber ist dies genau die Übung, die Aufgabe? Das könnte für mich eine Lebensaufgabe werden, etwas sein das genau dem Gegenteil entspricht was ich mein ganzes Leben getan habe. So war/bin ich doch immer für andere da, gleichzeitig auch ebenso von anderen abhängig. Sicherlich habe ich gelernt zu sorgen, allerdings nicht für mich. Und das liegt nicht an meinen Fähigkeiten. Eher daran das ich mich selber nicht so wichtig nehme oder der ein oder andere Grund.
So lese ich weiterhin das Buch „Selbstmitgefühl“ von Kristin Neff und vieles was darin steht kann ich sehr gut nachempfinden. Weil es irgendwie wahr ist. Ich habe mich nie mit meinen „Schwächen“ versöhnt, weil ich eben mich immer nur mit den Augen der anderen, hauptsächlich meiner Familie, gesehen habe. Und das was sie mit mir machten, habe ich dann so sehr verinnerlicht, das ich es dann selber mit mir weiter machte. Ich möchte nicht so weit gehen zu sagen das meine Eltern mich nicht geliebt haben, aber das was sie getan haben war mit Sicherheit nicht gut und auch nicht das Beste. Für uns Kinder.
Jedenfalls sehe ich oder versuche zu erkennen das ich ein Mensch bin der Geborgenheit braucht, dem sogar ein teilweise „bisheriges“ Leben lang diese Geborgenheit fehlte. Das zu akzeptieren oder zu verstehen ist teilweise schon harter Tobak. Doch dies ist nun einmal die Realität. Um diesen psychischen Stress der sich immer weiter ausdrückte, etwas entgegen zu setzen, hatte ich alle Termine, die für mich persönlich schwierig waren, abgesetzt. Vom Zahnarzttermin bis zu dem Besuch bei meinem Bruder der in Essen lebt. Diese Entscheidungen sind für mich von so etwas schwierig, allein schon weil sie eine Entscheidung für mich sind. Sie desweiteren eine Kampfansage gegen meine psychische Prägung bedeuten. Was allerdings auch bedeutet alle aufkommenden Ängste auszuhalten. Welche Ängste?
Nun eine Prägung meiner Eltern ist ja, das man niemals davon läuft. Egal ob das was man macht oder nicht schlecht für einen ist oder nicht. Wir, ich, mussten immer genau das richtige tun, wobei das Richtige immer in den Augen meiner Eltern lag. Sicherlich ist das meißtens so, allerdings sind die Eltern dann meißtens offen was die Realität an geht. Zum Beispiel ist eine Hauptgrundlage meiner Mutter gewesen, das ich, oder wir Kinder überhaupt, sie niemals aufregen dürfen. Denn wenn wir sie aufregen, oder nicht tun was sie sagt, oder lieb sind, dann wird sie krank und dann wird sie sterben. Und wer ist dann schuld daran? Wer wird dann einsam und schutzlos durch die Welt gehen müssen? Na ich/wir. So gesehen hat meine Mutter immer das bekommen was sie wollte. Wir Kinder waren brav erzogen, richtig dressiert. Ok, ich jedenfalls. Mein Bruder, der geistigseelisch behinderte fiel dann irgendwann aus dem Rahmen.

Übrigens nennt mein Thera, diese Erziehungsform psychischen Missbrauch.

Mein Vater machte es eigentlich nicht anders, allerdings mit einem anderen Druckmittel, nämlich mit psychischer Härte. So gesehen schenkten sich beide Elternteile dann darin nichts. Deshalb ist eine Entscheidung für mich von mir für mich selbst von äußerster Schwierigkeit. Denn bei jeder Entscheidung für mich erwarte ich das daraufhin etwas Schlimmes, Unangenehmes etc. Passiert. Ich hoffe ihr versteht wohin das führt. Und all dies, die Ängste, die Unsicherheit etc. Muss ich in Kauf nehmen. Und versuche es.

Also habe ich alle persönlichen Termine abgesagt, einfach damit mal Ruhe für mich einkehrt. Unter anderem auch die Idee das ich zu meinem behinderten Bruder fahre, zu seinem Geburtstag übrigens.

Dabei muss ich jetzt auch erwähnen das er in einer anderen Stadt lebt. Ich wollte nicht hinfahren, weil ebenfalls aus persönlichen Gründen. Der Tod meiner Mutter und all das was daran liegt sind von mir noch nicht verarbeitet und das wird mit Sicherheit auch noch dauern. ( Im übrigen weiß mein Bruder nicht das meine Mutter gestorben ist. Das habe ich zum Schutz meines Bruders mit der Pflegeleitung abgesprochen )

Außerdem fühle ich mich auch für ihn ebenso verantwortlich. Weil ich all das was geschehen ist nicht verhindern konnte. Aber hätte ich das gekonnt? Ich war noch kleiner als er. Hilfloser? Ok, ich war geistig nicht behindert. Oft fühle ich mich schuldig, das ich ihn nicht beschützen konnte. Denn er hat die Erziehung und auch die Behandlung seines Umfeldes irgendwann gar nicht mehr verkraftet ist dann auch noch seelisch erkrankt. Heute weiß man nicht mehr so genau was er noch mitbekommt und was nicht. Aber bin ich verantwortlich für sein Leben? Überhaupt für die Leben der anderen? Da ich nicht mal mein Leben im Griff habe?
Jedenfalls habe ich trotzdem entschieden nicht hinzufahren. Und glaubt mir, es ging mir nicht gut damit. Eben weil ich nicht gewöhnt bin für mich selbst zu sorgen. Normalerweise würde ich mich dadurch prügeln, alle Gefühle meinerseits unterdrücken, nichts von mir wahr nehmen und da sein. Doch dies ist der Versuch anders mit mir umzugehen.

Also habe ich ein Päckchen gepackt und Donnerstag losgeschickt. Gestern hatte er Geburtstag und ich hatte die Nacht schon schlecht geschlafen. Alpträume. Warum wohl? Ich versuchte mich den ganzen Tag abzulenken, war auch unterwegs. Jedenfalls gegen Nachmittag habe ich dann in seinem Pflegeheim angerufen, weil ich fand das es ein Kompromiss mit meinen Gefühlen wäre und auch ein wenig Beruhigung. Außerdem hätte ich dann ein wenig Kontakt.

Dann als ich also da anrief teilte man mir mit das mein Bruder nicht da wäre. Sondern das er mit Verdacht auf einem Schlaganfall ins Krankenhaus gekommen wäre. Bäng ! Da war es. Genau das was mein Unterbewusstsein wohl erwartet hatte. Wenn ich nicht lieb bin, nicht das tue was erwartet wird, passiert etwas. Genau das was mein Psyche brauchte. Vielleicht kann sich der ein oder andere vorstellen welche Gefühle sich da auftun. Panik, Ängste, Unruhe, der ganze Kram.

Jedenfalls habe ich dann im Krankenhaus angerufen, wo man mir mitteilte das es ihm gut geht. Das er Fussball schaut etc. Das ist soweit dann auch gut. Doch hilft mir das? Bei meinen Gefühlen? Nein, eigentlich nicht. Denn alles führt dann wieder dahin das ich auf mich keine Rücksicht nehme, mich selbst nicht beachte. Aber genau das sollte ich tun. Das wäre die Übung. Zu verstehen, verinnerlichen das ich nicht „Gott“ bin. Auch wenn ich hinfahren sollte, mir dann noch schlechter geht, kann ich nicht verhindern das was geschehen soll. Oder irgendwann geschieht. Es hat nichts mit mir zu tun und ich bin nicht verantwortlich dafür. Sicherlich haben meine Entscheidungen irgendwelche Konsequenzen womit ich auch leben muss. Aber nicht ob jemand lebt oder stirbt. Und auch nicht für das Leben von anderen, sei es von meinen Brüdern, noch für meinen Freunden. Ich habe fast mein ganzes Leben damit verbracht richtig zu sein für andere, nicht auffällig, konnte mit meinen Entscheidungen nie leben, weil irgendwie ist man ja immer schuldig und verantwortlich. Aber das kann so nicht stimmen. Denn ich bin auch verantwortlich für mein Leben, meine Zukunft.
Nur das , genau das, ist für mich eine ganz neue Lebenssituation. Das bedeutet auch miuch all meinen Ängsten, Unsicherheiten, Alpträumen zu stellen und einfach zu mir zu stehen. Genauso wie dazu das ich doch ein Mensch bin der Geborgenheit braucht. Mit sich selbst zu leben ist manchmal nicht einfach und das liegt meißtens an einem selber. Auch entgegen allen anderen. Sich selbst aushalten, sich selber stellen.

2 Kommentare zu „Versuche………….?

  1. Oje. Ich kenne diese Situation zu gut. Ich muss dieses tun, ich muss jenes tun. Nicht für mich, für alle anderen. Und das und das ist passiert, weil ich nicht…
    Bringt wahrscheinlich auch nicht viel, dir zu sagen, dass es wirklich nicht deine Schuld war. Der Film im Kopf ist sowieso an.
    Bleibt nur, froh zu sein, dass es deinem Bruder trotz allem soweit gut geht. und ich finde es einen schönen Kompromiss, ihn einfach gelegentlich anzurufen. Das freut ihn sicher auch, ist für dich mit weniger Aufwand verbunden und ist in der Regel deutlich kürzer und weniger belastend.

    Gefällt 1 Person

    1. Nun, ich sehe du verstehst mich, wahrscheinlich aus eigener Erfahrung. Und dieses “ ich muss tun……“ etc., das führte wirklich soweit das ich/wir keinen einzigen Widerspruch uns mehr erlaubten. ( Ich meine, wenn man verantwortlich ist, ob jemand krank oder stirbt ist, bleibt die Wahl keine wirkliche Wahl ) Selbst heute noch ist diese Prägung unterbewusst vorhanden. Egal bei was ich tue!

      Nichtsdestotrotz ist in mir das Gefühl für alles verantwortlich zu sein, mich um alles kümmern zu müssen. Dagegen zu steuern ist äußerst schwer und heikel für mich.

      Das Telefonat, im Krankenhaus, war jetzt eher eine Notlösung zur eigenen Beruhigung. Denn eigentlich, gerade jetzt nach dem Tod meiner Mutter, möchte ich mich eigentlich komplett erstmal heraus ziehen. Wenn da nicht die eigenen alten Gefühle nicht wären. Aber sind dies wirklich meine eigenen Gefühle?
      Denn so langsam sollte oder muss ich mich wohl entscheiden, damit ich, was dies angeht, mein Leben in den Griff bekomme. Und das ist allein schon eine Lebensaufgabe.
      Liebe Grüße dir !!!!

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s